Glück auf!

18.06.2012 - admin

Das war der Thüringer Elevator-Pitch 2012

Der Elevator-Pitch 2012. Dröge Reden, ausufernde Präsentationen von Gründern, die von überfrachteten Power-Point-Folien ablesen, ein Veranstaltungsort, der jegliche Atmosphäre vermissen lässt und ein liebloses und noch dazu unterdimensioniertes Buffet. Wer das suchte, kam am Dienstag in Merkers definitiv nicht auf seine Kosten. Die Veranstalter haben es geschafft, die grandiosen Events der Vorjahre nochmals zu toppen, wenn auch nicht im eigentlichen Wortsinn.

von Jan Franke

Zunächst ging es nämlich nach unten: In einem Grubenaufzug bekamen Business-Angels, Gründer, Bankenvertreter und Gäste die erste Möglichkeit, sich näher zu kommen. Als die Kabine voll war, drang die kräftige Stimme des verantwortlichen Kumpel nach drinnen: “Zehn müssen noch rein!”. Wer sonst Business-Class gewohnt ist, musste hier kurz die Zähne zusammenbeißen. Andererseits bekam man so – bei 9m/s einen Eindruck, unter welch widrigen Umständen unsere Vorfahren pitchen mussten, bevor der Elevator Pitch in seiner heutigen Form erfunden wurde.

Über 500m tiefer – oder 55 Sekunden später – war das Ziel erreicht: Der Erlebnisstollen des Kali- und Salzbergwerks in Merkers. Ohne Rücksicht auf Frisuren helmbewährt, ging es dann horizontal weiter. Auf den Ladeflächen von LKWs sitzend, wurden die Besucher mit rasantem Tempo durch den Stollen gefahren. Dann waren wir in einer riesigen unterirdischen Kathedrale angekommen. Dort erwartete uns atmosphärische Beleuchtung, Kaffee, Kuchen, Musik – eben alles, was man einen halben Kilometer unter der Erde erwarten würde.

Nachdem alle – schätzungsweise 250 – Besucher eingetroffen waren, begannen die Pitches. Es ging los mit den Start-Ups und nach einer kleinen Pause folgten die Wachstumsunternehmen. Zu sehen gab es beispielsweise Satellitenauswertung und “irgendwas mit Genen”, das wiedermal kein normalsterblicher verstanden hat. Varioroom präsentierte Containerwohnungen z.B. für Krisengebiete und Baustellen. Wer die transportieren möchte braucht einen LKW. Wer mit weniger Gepäck auskommt, der findet mit der App von a2bme automatisch das günstigste Transportmittel. Für alle, die  eine stabilere Behausung suchen,ist eventuell Ercolith interessant, ein Baustoff, der dämmt und dem selbst Erdbeben nichts anhaben können.

Wer’s etwas billiger möchte, für den kommt Polymerbeton in Frage, der einfach mit billigen Füllstoffen – wie Wüstensand – aufgefüllt werden kann. Aufs Dach kommt dann noch eine Solarzelle, deren Wirkungsgrad dank RPE Infratherm um 25% erhöht wurde oder die gebraucht von SecondSol gekauft, besonders günstig ist. Wer selbst keine Solarzellen anschrauben will, der verkauft seine Dachfläche eben bei Milk the Sun, der ersten Handelsplattform für Solarinvestments. Damit das Dach trotz Solarzelle auch bei Schneelast nicht einstürzt, sollte man noch einen Warnsensor von Schubert Messtechnik einbauen – dann bekommt man, selbst wenn man im Urlaub ist, eine E-Mail oder eine SMS geschickt, um über die Dacheinsturzsituation stets auf dem Laufenden zu sein.

Die Telefonanlage für das in Planung stehende Häuschen könnte von Area Networx UG (haftungsbeshränkt) kommen und würde automatisch Anrufe an den richtigen Ansprechpartner weiterleiten. Finanziert wird das ganze mit einer Crowdfunding-Plattform oder noch einer oder noch einer. Wenn jetzt noch der passende Musikact für die Einzugsparty fehlt, sollte man auf Gigmit vorbeischauen, denn dort werden Künstler und Veranstalter zusammengebracht.

Dem Glück im Eigenheim steht nun nichtsmehr im Weg und es kann mit der Reproduktion begonnen werden. Windeln für den Nachwuchs kommen von Purapur, denn die sind teilweise recycelbar und teilweise wiederverwendbar. Zum Spielen gibts lebendige Legobausteine.

Und dass sich spielerisch selbst schwierige Herausforderungen meistern lassen, zeigt der Inhalator für kleine Asthmapatienten, der gleichzeitig ein Computerspiel steuert und die Prozedur so etwas erträglicher macht. Caterna stellte ein Spiel zur Behandlung von Sehschwächen vor, mit dessen Hilfe die zweijährige Behandlungszeit, in der Kinder eine Augenklappe tragen müssen, auf wenige Monate verkürzt werden kann. Dafür gabs den Sieg in der Kategorie Wachstumsunternehmen.

Der Sieger unter den Start-Ups war Hapticom, die “Telefone” für taubblinde entwickelt haben – eigentlich eher eine art physischer Instant-Messenger.

Um die ganzen Ideen zu verdauen, blieb wenig Zeit, denn direkt nach den Präsentationen wurde das Buffet eröffnet, das qualitativ überdurchschnittlich gut war. Man bedenke, dass sämtliche Speisen und Getränke über die Aufzüge nach unten gebracht werden mussten. Eine besondere Erwähnung  gebührt noch den Desserts, die tatsächlich bis zum Schluss in ausreichender Zahl verfügbar waren. Bei einem Glas Wein konnte der Abend nun gemütlich ausklingen und alle gingen bei angenehmer Livemusik zum wichtigsten Teil – dem get together mit anregenden und interessanten Gesprächen über.

Eine gelungene Veranstaltung ging damit zu Ende und es bleibt die Vorfreude auf den nächsten Pitch, bei dem es dann tatsächlich um das Thema “Feuer” gehen soll. Ein Heizkraftwerk? Eine Feuerwache? Man darf gespannt sein.

Quelle: THÜBAN
Link: http://www.thueban.de/2012/06/15/gluck-auf-das-war-der-thuringer-elevator-pitch-2012/